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Fussball WM Südafrika Lesetext Schulen als PDF... [103 KB]
Quelle SAH Themen: Petition, aktuelle Aussenpolitik, Staatskunde / Wirtschaftskunde
Keine Ausbeutung bei der Fussball-WM
Südafrika ist ein Land, durch das nach wie vor eine tiefe Kluft geht. Zwar ist die rassistische Apartheid abgeschafft, sie wurde aber durch eine sozioökonomische Spaltung des Landes ersetzt. Die Fussball-WM bringt dem Land einen Wirtschaftsboom, davon sieht allerdings der Grossteil der Bevölkerung wenig. Die FIFA hätte es in der Hand gehabt, dies zu ändern. 1994 endete in Südafrika das Apartheidregime. Nach einem jahrzehntelangen Kampf der schwarzen Bevölkerungsmehrheit sieht sich die weisse Oberklasse gezwungen, mit der Bürgerbewegung an einen Tisch zu sitzen. Eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte geht zu Ende. Heute ist die rassistische Apartheid zwar vorbei; Südafrika ist aber nach wie vor gespalten. Eine krasse sozioökonomische Apartheid hat die offizielle Rassentrennung abgelöst. Kurz nach dem Umsturz, leitete der regierende ANC eine ganze Reihe neoliberaler Reformen ein. Das Ergebnis war zwar ein stetiges Wirtschaftswachstum, gebracht hat es der grossen Mehrheit allerdings nichts, wie folgende Zahlen belegen:
40% der Bevölkerung müssen mit weniger als zwei USD pro Tag (der offiziellen Armutsgrenze der UNO) auskommen. Seit 1995 ist das durchschnittliche Monatseinkommen der Schwarzen in Südafrika um 37.3% gestiegen. Dasjenige der Weissen um 83.5%. Südafrika befindet sich weltweit unter den zehn Ländern mit den grössten Einkommensunterschieden. Während die reichsten 20% der Haushalte über 60% des Einkommens verdienen, kommen die ärmsten 40% nur auf knapp 10% (1994 bis 2007). 24.3% der Menschen sind offiziell arbeitslos, das sind 4.1 Millionen. Zählt man die 3.4 Millionen so genannte Discouraged Work Seekers, also Leute, die die Suche nach einer Arbeit aufgegeben haben, ergibt dies eine effektive Arbeitslosenquote von 40%. Unter den Jugendlichen liegt die offizielle Jugendarbeitslosigkeit sogar bei 51%, und bei schwarzen Jugendlichen nochmals deutlich höher. 70% der schwarzen Jugendlichen finden nach der Schule keine Stelle. Die Lebensmittelpreise haben sich seit 1994 verdreifacht. Die Kindersterblichkeit bis fünf Jahre ist von 60 Todesfällen pro 1000 Geburten im Jahr 1990 auf 69 gestiegen . Im gleichen Zeitraum ist die durchschnittliche Lebenserwartung von 62 auf 50 Jahre gesunken. Die Anzahl der Menschen, die in Slums leben hat sich von 8.2 auf 8.4 Millionen erhöht Die Zahl der AIDS-Waisen (Kinder deren Eltern an AIDS gestorben sind) hat sich innert fünf Jahren verdoppelt: Von 660'000 auf über 1.2 Millionen (2001 bis 2005). Offiziell leben 7.2% der Bevölkerung mit AIDS (5.7 Millionen Menschen), 18.1% der Bevölkerung zwischen 15 – 49 Jahren sind mit dem HI-Virus angesteckt.
Ist die WM eine Chance? Grossveranstaltungen wie eine WM oder auch Olympische Spiele bringen für Entwicklungsländer ganz andere Herausforderungen mit sich als für industrialisierte; die Infrastrukturinvestitionen sind viel höher. Aber: Ein grosser Teil der Wertschöpfung fliesst über internationale Konzerne wieder ab. Und die Nachhaltigkeit des Booms ist keineswegs gewährleistet. Die heimische Wirtschaft ist beispielsweise meist nicht in der Lage, die Arbeitsplätze auch nach dem Grossanlass zu erhalten. Hinzu kommt, dass der bekannte Substitutionseffekt die armen Bevölkerungsschichten noch stärker trifft d.h. ein grosser Teil der Investitionen geht zu Lasten der Sozialausgaben.
Wem bringt die WM etwas? Die südafrikanische Regierung investiert in Infrastrukturen für die WM insgesamt 33 Milliarden Rand (4.5 Mia. Franken). Der Bau der Stadien macht 2 Milliarden Franken aus. Von diesen Milliardeninvestitionen sieht die Mehrheit der Bevölkerung allerdings nichts. So zum Beispiel bei den rund 22'000 ArbeiterInnen auf den WM-Baustellen. Zu Beginn verdienten sie 2500 Rand pro Monat – Angestellte von Leiharbeitsfirmen oft noch deutlich weniger. Dank zahlreicher Streiks und Verhandlungen konnte der Lohn während der Bautätigkeit auf 3000 Rand (Fr. 430) gesteigert werden. Das Einkommen der BauarbeiterInnen liegt damit aber immer noch weit unter dem von den Gewerkschaften geforderten Existenzminimum von 4500 Rand (Fr. 650). Der Lohnzuwachs wurde zudem durch die Inflation neutralisiert (2004 – 2008: 29%) In der gleichen Zeit (2004 – 2008) haben sich die Konzerngewinne (vor Steuern) im Bausektor verfünffacht!
Welche Verantwortung hat die FIFA? Die FIFA hat absolut Recht, wenn sie betont, dass ihre Verantwortung als einer der grössten Sportverbände der Welt weit über das hinausgeht, was auf dem Fussballfeld passiert. Gerade die Ausrichtung einer Weltmeisterschaft auf einem Entwicklungskontinent erschwert diese Bürde. Leider ist von dem angekündigten Engagement der FIFA rund um die WM 2010 wenig zu sehen. Dabei hätte es die FIFA durchaus in der Hand, sowohl auf die Regierungen als auch auf ihre Partner Druck auszuüben. Das SAH fordert deshalb: Die FIFA muss Gastgeberländer, Lizenznehmer und Sponsoren darauf verpflichten, minimale Arbeitrechte einzuhalten. In den Verträgen muss sie die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen (keine Diskriminierung, keine Kinderund Zwangsarbeit, Vereinigungsfreiheit) festschreiben. Die beteiligten Unternehmen müssen verpflichtet werden, Existenz sichernde Löhne zu zahlen und ausreichende Standards der Arbeitssicherheit zu garantieren. Bei der Ausschreibung der Infrastrukturprojekte müssen die Gewerkschaften einbezogen werden.
Keine Vertreibungen und Menschenrechtsverletzungen In Südafrika leben zehntausende Menschen in Slums oder sind Obdachlos. Viele ihrer Siedlungen sollen nun vor der WM 2010 aus den Stadtzentren verschwinden, 20'000 Menschen sollen umgesiedelt werden. Sie passen nicht in das Bild eines blühendes Südafrikas, das die Regierung gerne der Welt präsentieren möchte. Leider bleibt eine “angemessene Behausung” für zehntausende SüdafrikanerInnen nach wie vor ein Traum. Sie leben in Armensiedlungen oder sind obdachlos. Seit 1994 warten diese Leute darauf, dass ihnen die Regierung endlich die versprochenen Häuser baut. Ein schönes Bild von der WM in Südafrika Nun will sich aber die südafrikanische Regierung an der WM 2010 den zehntausenden von erwarteten Touristen und den Millionen FernsehzuschauerInnen als blühende Nation präsentieren. Dabei stören die Bilder von Elendsvierteln in den Austragungsorten. Ausserdem sollen in vielen Stadtzentren neue Einkaufspassagen für die zahlungskräftigen TouristInnen aus aller Welt entstehen. Aus beiden Gründen wurden und werden zehntausende so genannter Hüttenbewohner umgesiedelt. Die Umsiedlungen haben dramatische Folgen. Im Klartext bedeutet dies, dass die Obdachlosen während der WM in provisorische Übergangslagern untergebracht werden. Die Camps befinden sich weit ausserhalb der Städte. Damit steigen die Transportkosten für viele Familien auf ein Existenz gefährdendes Niveau, weil die ArbeiterInnen und Schulkinder jeden Tag in die Stadt fahren müssen. Die Umsiedlungen reissen die Gemeinschaften und sozialen Beziehungen auseinander. Diese sind aber in einem Land, in dem weder die Gesundheits- noch die Altersvorsorge funktioniert für die Menschen überlebenswichtig. Wenn die Leute dann tatsächlich ein Haus zugeteilt bekommen, sind die Mieten für die meisten praktisch unerschwinglich. Die Kosten für die WM-Infrastruktur sind förmlich explodiert, insgesamt hat Südafrika 4.5 Milliarden Schweizer Franken investiert. Dieses Geld fehlt nun für den Bau neuer Wohnungen und Häuser.
Strassenkinder und Strassenhändler unerwünscht In den letzten Wochen mehren sich auch Berichte von Deportationen von Strassenkindern und der Wegweisung von Strassenhändlern, die so ihren Lebensunterhalt verlieren. Obdachlose Kinder werden mit Lastwagen eingesammelt und in sogenannte „safe areas“ gebracht. Augenzeugen berichten davon, dass die Polizei dabei mit extremer Brutalität vorgeht und auch vor dem Einsatz von Pfefferspray nicht zurückschreckt. Auf die Frage, ob die FIFA den Auftrag gegeben habe, die Strassenkinder zu jagen, antwortete FIFASprecher Nicolas Maingot: «Natürlich nicht. Gemäss unseren Informationen hat das keinen Bezug zum 2010 Fifa World Cup. Sondern ist Teil eines Sozialprogrammes, das von örtlichen Behörden geleitet wird.» Das SAH wirft der FIFA nicht vor, selbst die Vertreibungen veranlasst zu haben. Aber wir werfen der FIFA vor, rein gar nichts dagegen zu unternehmen – obwohl solche Menschenrechts-verletzungen absehbar waren und bestens dokumentiert sind. Die FIFA hätte es in der Hand, ihre milliardeschwere Verhandlungsmacht zum Wohl der Kinder und der Armen einzusetzen.
FIFA legt Hände in den Schoss Der FIFA ist die Problematik bekannt – trotzdem sieht sie sich nicht veranlasst über ihre eigene Verantwortung nachzudenken. Raquel Rolnik, die UNO-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Wohnen, kritisiert die Haltung der FIFA direkt. In einem aktuellen Bericht hat sie die Auswirkungen von sportlichen Mega-Events auf die Wohnsituation der Armen untersucht. Während sie dem Internationalen Olympischen Komitee eine gewisse Offenheit bescheinigt, das Thema anzugehen, verweigerte die FIFA aber den Dialog.
Petition SAH: Zwanzig Jahre im Einsatz für menschenwürdige Arbeitsbedingungen! Die FIFA muss Gastgeberländer darauf verpflichten, die Menschenrechte einzuhalten. Insbesondere müssen sich Gastgeberländer vertraglich verpflichten, keine Vertreibungen aus Imagegründen durchzuführen. Die FIFA muss die Einhaltung dieser Vertragsklausel auch überprüfen. Dazu darf die FIFA die Zusammenarbeit mit der UNO-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Wohnen nicht länger verweigern. Keine Einschränkung der Medienfreiheit durch die FIFA.
Text: e-Petion Petition SAH Ich fordere die FIFA hiermit auf, sich in Zukunft aktiv gegen Ausbeutung und für die Einhaltung der Menschenrechte bei der Fussball-Weltmeisterschaft einzusetzen. Die FIFA muss von Ländern und Städten, die Gastgeber einer WM sein wollen, die Einhaltung der Menschenrechte verlangen. Lizenznehmer, Sponsoren und Baukonsortien müssen vertraglich verpflichtet werden, Existenz sichernde Löhne zu zahlen und die Einhaltung von grundlegenden Arbeitsrechten zu überwachen.Länder und Unternehmen, die nicht bereit sind, diese Bedingungen zu erfüllen, sollen in Zukunft keine WM mehr veranstalten können.
Quelle und unterzeichnen:
Diesen Text finden Sie auch auf Wikipedia, hier ist er aber gekürzt und als PDF abrufbar...
Die Endrunde der 19. Fußball-Weltmeisterschaft wird vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 in Südafrika und damit erstmals auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen. Der Beschluss des Exekutivkomitees des Weltfußballverbands FIFA fiel am 15. Mai 2004 in Zürich. Der Termin des internationalen Fußballturniers wurde am 6. Dezember 2006 ebenfalls in Zürich bekannt gegeben. Aufgrund eines von der FIFA beschlossenen Rotationsprinzips wurden für die WM 2010 nur Bewerbungen afrikanischer Länder genehmigt.
Das FNB-Stadion in Johannesburg, auch Soccer-City-Stadion genannt, wird der Austragungsort des Eröffnungsspiels und des Finalspieles sein. Das Stadion ist ein reines Fußballstadion und bietet derzeit Platz für etwa 80.000 Zuschauer. Es soll bis zur WM komplett modernisiert und überdacht sein und auf eine Kapazität von etwa 94.700 Plätzen erweitert werden. Die beiden Halbfinalspiele finden in Kapstadt und Durban statt, das Spiel um Platz drei wird in Port Elizabeth ausgetragen. Insgesamt werden im Soccer City sowie in Kapstadt und Port Elizabeth acht Partien stattfinden, der Ellis Park wird wie das Stadion in Durban Schauplatz für sieben Spiele sein. In Rustenburg, Bloemfontain und Pretoria werden jeweils sechs Spiele ausgetragen. Für die beiden Stadien in Polokwane und Nelspruit stehen jeweils vier Vorrundenpartien an. Das Gesamtvolumen der Investitionen für die Weltmeisterschaft beträgt laut den Bewerbungsunterlagen von Südafrika 825 Millionen US-Dollar.
Für das Turnier werden insgesamt etwa 3 Millionen Tickets zur Verfügung stehen. 480.000 Tickets werden für die Fans in Südafrika reserviert, weitere 1,5 Million können Fans aus dem Ausland erwerben. Die verbleibende Million geht an Sponsoren, Mitglieder der FIFA und an die Spieler. Die Preise für die Eintrittskarten sind in vier Kategorien geteilt und erstrecken sich von 20 US-Dollar in der Kategorie 4 bei einem Gruppenspiel bis 900 US-Dollar für eine Endspielkarte der Kategorie 1. Die rund 480.000 Eintrittskarten der Kategorie 4 sind den Einwohnern von Südafrika vorbehalten. Erstmals wird ein Kartenfonds eingerichtet werden, der 120.000 Freikarten der Kategorie 4 für alle Spiele enthält. Diese Karten werden an Einwohner des Gastgeberlandes verschenkt, die sich sonst kein Spiel live anschauen könnten.
Die internationalen Flughäfen Johannesburg und Kapstadt werden derzeit ausgebaut, in Durban wird ein komplett neuer Flughafen errichtet, um dem erhöhten Fluggastaufkommen zur WM gerecht zu werden. Insgesamt gibt es zehn Flughäfen, die Großflugzeuge abfertigen können. Zudem wird in der Metropolregion zwischen Pretoria und Johannesburg eine neue Bahnlinie, die Gautrain, gebaut. Außerdem sollen die vorhandenen, mehr als 20.000 Kilometer langen Zugstrecken modernisiert werden. Nach Berichten der Inspektorengruppe des Weltfußballverbandes FIFA sind Transportsysteme, Telekommunikation, Hotellerie und die medizinische Versorgung auf einem sehr guten Niveau und für die Weltmeisterschaft gerüstet. Kritisiert wird die mangelnde Sicherheit im Land, jedoch habe die Regierung des Staates die Mittel und das Wissen, die WM ohne Probleme zu veranstalten. Dennoch gibt es noch erhebliche Mängel zu beheben. Die Verkehrsinfrastruktur des öffentlichen Personennahverkehrs muss beträchtlich verbessert werden. Außerdem besteht laut Berichten südafrikanischer Medien, bedingt durch steigende Baupreise und den Mangel an heimischen Fachkräften, eine Budgetlücke von rund 270 Millionen Euro.
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